Stefan Meffert ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Im Unternehmen ist er seit 1991 beschäftigt. Er ist ausgebildeter Oberbrandmeister und Notfallsanitäter und arbeitet bei uns zudem als Praxisanleiter sowie organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes. d.h. er ist der Einsatzleiter des Rettungsdienstes bei Großschadenfällen. Zusätzlich ist Stefan in mehreren Funktionen beim Deutschen Roten Kreuz tätig.

Was genau sind Deine Aufgaben als Leiter des Rettungsdienstes und als „Praxisanleiter“ bei der Werkfeuerwehr? Und vor allem, wie sieht ein typischer Arbeitsalltag für Dich aus?

Grundsätzlich ist es ein gleitender Übergang vom Leiter des Rettungsdienstes zum Praxisanleiter. Ich bin hauptsächlich dafür zuständig, einen reibungslosen Ablauf des Rettungsdienstes bei der Werkfeuerwehr zu gewährleisten. Das bedeutet neben der Erledigung sämtlicher Verwaltungsaufgaben die Organisation der Aus- und Weiterbildung rund um das Thema Erste Hilfe. Meine Teilnehmer sind z.B. die Azubis bei der Werkfeuerwehr, angehende Rettungsdienstler, unsere Feuerwehrleute oder die Ersthelfer in den Betrieben. Und da ich neben Salzgitter auch für Ilsenburg zuständig bin, gibt es dort eine Menge zu tun.

Abteilungsübergreifend stehe ich mit unseren Ärzten bei der Arbeitsmedizin in Verbindung, um Neuerungen, Änderungen und auch kleinere Probleme zu besprechen und zeitnah umzusetzen bzw. dafür Lösungen zu finden. Die Medizin und somit auch der Rettungsdienst sind sehr dynamisch und unterliegen ständigen Anpassungen, auf die wir schnell reagieren müssen.

Schlussendlich helfe ich auch auf den Wachabteilungen als Notfallsanitäter aus, wenn z. B. mal durch erkrankte Mitarbeiter nicht genug Personal da ist, um regelkonform die Rettungswagen zu besetzen. Hier muss immer mindestens ein Notfallsanitäter auf dem Rettungswagen sein, der gemeinsam mit dem Rettungssanitäter die Einsätze bewältigt. Der Notfallsanitäter ist die höchste nichtakademische Ausbildung im Rettungsdienst und dauert drei Jahre – nicht zu vergessen, dass davor eine zweijährige Feuerwehrausbildung und fast immer noch eine dreijährige Berufsausbildung liegt. Ich selbst bin ursprünglich gelernter Zentralheizungs- und Lüftungsbauer. Man sieht daran, dass unsere Leute mit vielen Jahren Berufsausbildung wirklich hochqualifiziert sind. Der Rettungssanitäter ist die Einstiegsqualifikation und ist in einem Vierteljahr erlernt.

Somit habe ich einen abwechslungsreichen Alltag, von Verwaltungsarbeit, über Besprechungen, Schulungen bis hin zum Besetzen der Rettungswagen und Rausfahren zu Rettungseinsätzen. Viele dieser Rettungseinsätze werden dann im Nachgang auch nochmal besprochen und fachlich aufgearbeitet, um mögliche Fehlerquellen zu analysieren und ggf. zu beseitigen. Also jeden Tag etwas anderes.

Ab und an finde ich mich sogar auf einem Löschfahrzeug wieder, da ich natürlich auch die Feuerwehr-Ausbildung absolviert habe. Also ein wirklich umfangreiches und vor allem reizvolles Betätigungsfeld (lacht).

Wie bist Du zu dem Ehrenamt gekommen und wie lange machst Du das schon?

Da brauche ich eigentlich gar nicht lange zu überlegen. Zum Ehrenamt bin ich vermutlich durch meine Eltern gekommen. Mein Vater und auch meine Mutter waren schon sehr früh im Deutschen Roten Kreuz ehrenamtlich aktiv. Und ich war als kleiner Junge oft mit meinem Vater dabei, wenn er für das Rote Kreuz unterwegs war und die Situation es zugelassen hat. Mit sechs Jahren durfte ich dann endlich auch ins Jugendrotkreuz eintreten und dort mitmachen. Und damit habe ich damals wohl „lebenslänglich“ bekommen, denn in diesem Jahr bin ich bereits 46 Jahre dabei (schmunzelt).

Im Alter von 15 habe ich in die aktive Bereitschaft „hineingerochen“ und wurde ein Jahr später fest dort aufgenommen. Im Jahr 1988 habe ich dann die Ausbildung zum Gruppenführer absolviert und mich im selben Jahr für zehn Jahre beim Deutschen Roten Kreuz im Katastrophenschutz verpflichtet und so meinen Wehrersatzdienst geleistet. Gleich zu Beginn 1989 war ich vier Wochen nach einem schweren Erdbeben in Armenien im Auslandseinsatz. Das war eigentlich auch mein prägendster Einsatz, der mir vor allem das Gefühl gegeben hat, gebraucht zu werden und den Menschen vor Ort richtig helfen zu können. Im letzten Jahr wurde ich zum Kreisbereitschaftsleiter gewählt, eine Aufgabe, vor der ich immer Respekt hatte, die mir aber inzwischen viel Spaß bereitet.

Was genau sind hier Deine Aufgaben?

Als Kreisbereitschaftsleiter koordiniere ich im Kreisverband Goslar die Arbeit der Ehrenamtlichen. Ich bin dafür zuständig, dass alle 33 Ortsvereine mit 19 Bereitschaften mit circa 480 Ehrenamtlichen möglichst reibungslos funktionieren und die Vorschriften eingehalten werden. Es gehören schöne Dinge wie Repräsentieren oder Ernennungen dazu, aber auch viel Bürokram und zum Glück sehr selten disziplinarische Vorgänge. Spaß macht mir auch hier das Operative, da ich bei größeren Einsätzen in der örtlichen Einsatzleitung mit dem leitenden Notarzt und der Organisationsleitung des Rettungsdienstes zusammenarbeite.

Was bedeutet dieses Ehrenamt persönlich für Dich?

Es ist für mich eine tolle, sehr wichtige und spannende Aufgabe. Ehrenamt ist aus unserem Leben kaum wegzudenken. Wenn ich mir vorstelle, dass die Sanitätsdienste, die unsere Ehrenamtlichen bei Festen, Konzerten und anderen Veranstaltungen leisten, die tolle Arbeit unserer Bergwacht im Landkreis Goslar, der Katastrophenschutz, der erweiterte Rettungsdienst und, und, und – wenn das alles von hauptamtlichen Kräften privater Firmen geleistet werden sollte, würde auf jedem Konzert die Karte vermutlich das Doppelte kosten und ein Bier und die Bratwurst dazu 20 Euro.

Aber davon mal abgesehen, es stärkt uns ja nicht nur kulturell, sondern fördert auch den Gemeinschaftsgeist und ist zudem eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Es heißt ja nicht umsonst: helfen macht Freu(n)de (lacht). Und das ist überall so, ob beim DRK, der freiwilligen Feuerwehr, dem THW oder auch dem ehrenamtlichen Fußballtrainer oder der Chorleitung.

 

Hast Du ein Hobby? Engagierst Du Dich neben Deinem Ehrenamt noch für etwas anderes?

Meine Frau und ich sind leidenschaftliche Camper. Wenn ich nicht auf der Arbeit bin oder irgendwo beim Roten Kreuz (was doch sehr oft vorkommt), sind wir gemeinsam mit dem Wohnmobil auf Tour. Wir fahren sehr gern – oft auch nur über das Wochenende – mit unserem Camper an einen schönen Ort, wo wir dann mit dem Rad die Gegend erkunden oder einfach nur die Landschaft genießen. Das ist dann Erholung pur für uns, gerade auch für meine Frau, die doch sehr oft auf mich verzichten muss. Deshalb, aus tiefsten Herzen, abschließend an dieser Stelle an meine liebe Frau gerichtet: Herzlichen Dank für deine Geduld mit meinem Hobby im Ehrenamt!

Thorsten Ehrenteit

Drei Dinge, die mir zur Salzgitter AG einfallen: 1. großer Stahlhersteller im ländlichen Raum 2. die unglaubliche Einsatzbreite des Werkstoffes Stahl 3. Frodo hätte den EINEN Ring auch bei uns im Hochofen einschmelzen können

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