Unsere Serie über die Geschichte des außergewöhnlichen Werkstoffs Stahl möchten wir heute mit Teil 3 abschließen. Viel Spaß beim Ende unserer Zeitreise!

Der lange und mühsame Weg zur Produktion von Qualitätsstahl

Man erzeugte also Stahl, ohne den Prozess wirklich zu verstehen und zu beherrschen, was in einem seltsamen Kontrast zu der Vielseitigkeit und Verbreitung und der immer weiter wachsenden Bedeutung des Werkstoffes für den Fortschritt steht. Immerhin erkannte man im späten 18. Jahrhundert, dass die Härte und Qualität des Stahls vom Anteil des Kohlenstoffes abhängt. Das half aber niemandem weiter, solange man die Produktionsprozesse nicht entsprechend steuern konnte. Mit der beginnenden Industrialisierung wurde die Frage immer dringlicher. Stählerne Dampfmaschinen steigerten die wirtschaftliche Produktion sprunghaft. Die Eisenbahn bescherte der Mobilität und dem Transportwesen einen Riesenfortschritt. Doch die ersten Schienen, die die Eisenbahnbauer verlegten, mussten nach wenigen Monaten erneuert werden, weil sich das Guss- oder Schmiedeeisen verbogen hatte. Der Mangel an Qualitätsstahl drohte den Fortschritt auszubremsen. Erst Henry Bessemer gelang es, Stahl mit dem gewünschten Kohlenstoffgehalt herzustellen. Der britische Ingenieur und Erfinder entwickelte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Verfahren, um dem kohlenstoffreichen Gusseisen Kohlenstoff zu entziehen – und so dessen Anteil im Stahl genau einzustellen. So konnte die Massenproduktion von Stahl gelingen – allerdings erst, als man phosphorarmes schwedisches Erz für dieses Verfahren verwendete. Eisen und Stahl und in Sonnenaufgangihrem Zuge auch der Bergbau, der die Erze und Kohle zutage förderte, waren der Motor der Moderne. Stahl etablierte sich als Baustoff für Schiffe, Brücken und Gebäude – der 1889 anlässlich der Weltausstellung fertiggestellte Eiffelturm präsentierte der Öffentlichkeit die neue Kunst der Ingenieure und Architekten. Noch Ende der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts galt die Schwerindustrie als Inbegriff des Fortschritts, was u. a. in Fritz Langs Science- Fiction-Klassiker „Metropolis“ von 1927 zu sehen ist: Der Film zeigt riesige stählernen Produktionsmaschinen als Inbegriff der Macht und Herrschaft. Wenig später, Anfang der 30er-Jahre, verstand die Wissenschaft dann auch endlich, was im Stahl während der Produktion tatsächlich vorgeht. Noch weit bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts galt die Stahlproduktion als Gradmesser einer Wirtschaftsmacht, aus der sich auch die politische Bedeutung eines Staates ableitete. Keinem anderen Werkstoff kam je eine solch extreme Bedeutung zu. Allerdings verschiebt die Digitalisierung als neuer „Treibstoff “ des zivilisatorischen Fortschritts diese Parameter zunehmend.

Eisenerz und Salz machten auch den Raum Salzgitter früh attraktiv

Der Erzabbau und die Eisenproduktion forcierten jedoch nicht nur die Entwicklung einer Zivilisation oder eines Staates, sondern immer auch die einzelner Regionen. Hierfür bietet der Raum Salzgitter ein gutes Beispiel. Die hiesigen Eisenerz- und Kohlevorkommen bildeten zusammen mit dem Salz die Grundlage für die Besiedlung des Gebietes. Schon vor 1.800 Jahren wurde hier Eisen verhüttet. Im 19. Jahrhundert entstanden im Zuge der Industrialisierung das Eisenwerk Salzgitter und die Hütte in Ilsede. Da das Salzgitter-Erz stark kieselsäurehaltig und arm an Eisen war, wurde es aber lange nur als Zuschlagerz verwendet, bis das Eisenwerk sogar schließen musste. Doch nach dem Ersten Weltkrieg und dem Verlust der Erzvorkommen in Elsaß-Lothringen kam Salzgitter wieder ins Spiel – zumal neue Verfahren die Verhüttung der sauren Salzgitter-Erze ermöglichten. Und in diesem Spiel wirkt der Standort bis heute mit.

Sie finden Teil 1 und Teil 2 hier!

Glückauf!

 

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